Die dritte Kugel

Autor(en): Leo Perutz [Autor]
Wilhelm Schulz [Illustrator]
1, - 8°, 359 pg, OPpbnd
Verlag: Albert Langen, München, 1915
Schlagworte: Azteken; Belletristische Darstellung 16.5; Eroberung; Geschichte 1547; Spanier
Standort: Lit-5-7:
Inv Number 1154:

Description:
"In faszinierenden Bildern schildert Perutz die Eroberung des Aztenkenreichs - ein packendes Abenteuer, in dem auch der Teufel seine Finger im Spiel hat" (Umschlag) - "Es ist eine wilde Geschichte, mit vielen wundervollen Einzelheiten, und was daran Literatur ist, das gibt sich so anspruchsvoll und bescheiden, dass man den Dichter über dem Gedichteten vergißt, und das ist schliesslich die Hauptsache" (Kurt Tucholsky).
Die dritte Kugel ist ein phantastischer Roman von Leo Perutz aus dem Jahr 1915. Graf Grumbach, der "Wildgraf am Rhein", muss im Zuge der Konfessionskriege des 16. Jahrhunderts seine Heimat Deutschland verlassen. Mit einigen protestantischen Bauern flieht er bis nach Mexiko und gerät dort in den Krieg zwischen den spanischen Konquistadoren um Hernan Cortes und den aztekischen Ureinwohnern. Grumbach schlägt sich auf die Seite der Azteken. Doch die Deutschen sind dem spanischen Heer vor allem hinsichtlich ihrer militärischen Ausrüstung unterlegen. Ein Pakt mit dem Teufel verhilft Grumbach schließlich zu einer Arkebuse mit drei Kugeln. Letztere sind jedoch verflucht und töten im Kampf um Tenochtitlan zuerst den Aztekenkönig Moctezuma II., dann Grumbachs Geliebte. Was mit der titelgebenden dritten Kugel passiert, bleibt bis zum Ende des geschickt konstruierten Romans offen. Der Hamburger Literaturwissenschaftler Hans-Harald Müller sieht die Struktur des Romans "im Zusammenhang mit jener Problematisierung von Ich-Identität, die bekanntlich eines der bestimmenden Themen der Wiener Moderne war. Ihre Erfahrung war die Auflösung des Bewußtseins der Kontinuität der Person in die Zusammenhangslosigkeit der Lebensgeschichte."[1] In dem Umstand, dass Perutz den Verbleib der dritten Kugel als letztlich wohl nicht auflösbares Rätsel inszeniert, erkennt Müller ein Charakteristikum dieses Autors: "Perutz Beitrag zur Modernisierung des Romans besteht nicht in stilistischen Neuerungen. Er bringt den Roman durch eine Dynamisierung der Struktur, durch Aporien der Interpretation von innen her in eine unaufhörliche Bewegung. Leo Perutz, eigentlich Leopold Perutz, (* 2. November 1882 in Prag; 25. August 1957 in Bad Ischl) war ein österreichischer Schriftsteller. Im bürgerlichen Beruf war er Versicherungsmathematiker. Jorge Luis Borges schätzte Perutz und unterstützte die Herausgabe spanischer Übersetzungen in Argentinien. In Frankreich wurde sein Roman Der Marques de Bolibar 1962 mit dem Prix Nocturne ausgezeichnet. Perutz' Werk ist mit dem Friedrich Dürrenmatts verglichen worden. Seine fesselnden Romane folgen oft dem Schicksal von Einzelnen. Daneben enthalten Perutz' Romane oft ein Element des Phantastischen und sind häufig in der Vergangenheit angesiedelt. Die Handlung ist meist spannend erzählt und wird durch zahlreiche Anspielungen, Ironie und verwirrende, sich widersprechende Interpretationen der Ereignisse spielerisch vorangetrieben. Ein zentrales Motiv ist die Frage "Was ist real?", wobei sich konkurrierende Versionen, häufig die eines Ich-Erzählers und die der Umwelt, gegenüber stehen, ohne dass sich entscheiden ließe, welche Version den "tatsächlichen" Ereignissen entspricht.[2] [3] Friedrich Torberg war der Auffassung, "daß er zu den Meistern des phantastischen Romans gehört".
Illustrationen: Titel- und Einbandzeichnung von Wilhelm Schulz
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Die dritte Kugel - KinoTV © April 5, 2026 by Unicorn Media
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